4. Integrationskongress OWL in der Bielefelder SchücoArena
Am Mittwoch, 10. November 2010 fand in der Krombacher-Business-Lounge der SchücoArena der 4. Integrationskongress OWL statt. Er wurde in diesem Jahr von der Stadt Bielefeld und der Bezirksregierung Detmold in Kooperation mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und der Initiative für Beschäftigung OWL e. V. veranstaltet.
Der erste zentrale Programmpunkt des Kongresses war eine regionale Bestandsaufnahme: Wo stehen die Integrationsbemühungen in OWL, auch im Vergleich zu anderen Regionen? Der zweite Schwerpunkt der Debatte betraf die Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt. Das Vortragsprogramm und der Markt der Möglichkeiten mit mehr als 50 Ständen, auf dem Institutionen, Verbände und Vereine sich und ihre Angebote präsentierten, zogen fast 500 Teilnehmer/-innen an. Damit wurden alle Erwartungen übertroffen und es zeigt sich, dass sich der Integrationskongress OWL nach zwei vorhergehenden Veranstaltungen in Gütersloh und einer dritten in Lemgo fest etabliert hat.
In ihren Grußworten betonten die Veranstalter/-innen, der Bielefelder Oberbürgermeister Pit Clausen und der Leiter des Schuldezernats der Bezirksregierung Michael Uhlich die Integrationsaufgaben und die Chancen, die in der Vielfalt und den Potenzialen von Zuwanderer/-innen liegen. Im Grußwort der Landesregierung kündigte die Staatssekretärin im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW Zülfiye Kaykin ein Integrationsgesetz an. Damit soll ein klarer institutioneller Rahmen entstehen, der die für Integration notwendige Verbindlichkeit und Verlässlichkeit gewährleistet. Daneben warf sie auch die Frage des kommunalen Wahlrechts auf. Die bestehenden Unterschiede zwischen EU-Bürgern und Nicht-EU-Bürgern seien weder vermittelbar noch gerechtfertigt. Vermittlung von Sprache als Schlüsselkompetenz, Erleichterung des Zugangs zum Arbeitsmarkt und eine auf die Grundrechte gestützte, die kulturellen Wurzeln achtende Integration waren zentrale Forderungen aller Reden.
Zur Situation der Menschen mit Migrationshintergrund in Ostwestfalen-Lippe referierte Ulrich Kober, Leiter des Programms „Integration und Bildung“ der Bertelsmann Stiftung. Er verwies darauf, dass Rankings im Integrationsbereich wenig sinnvoll sind. Schon in der Region OWL zeigen sich in den einzelnen Kreisen und Kommunen erhebliche Strukturunterschiede - die Pole sind dabei Bielefeld und Höxter - die eine Vergleichbarkeit beeinträchtigen. Da der Integrationsbegriff für empirische Untersuchungen nicht eindeutig genug sei, trennte Kober zwischen den „harten“ Faktoren einer strukturellen und den „weichen“ Faktoren einer identifikatorischen Integration. Sich auf die harten Faktoren konzentrierend untersuchte die Bertelsmann Stiftung soziale Lage, Beteiligung am Arbeitsmarkt und Bildungschancen von Migrant/-innen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in den Jahren 2005-08 in diesen Bereichen gute Erfolge erzielt wurden (Senkung der Quote von Schulabgängern ohne Abschluss, höhere Abiturquoten, Verbesserung der Situation am Arbeitsmarkt), doch kann nach wie vor in keinem der Bereiche von einer gleichberechtigten Teilhabe der Migrant/-innen gesprochen werden. Als zentrale Herausforderungen für OWL identifizierte Kober Bekämpfung von Kinderarmut, Abschaffung von Bildungsbenachteiligungen und Nutzung der Potenziale von Migranten am Arbeitsmarkt.
Die „weichen“ Faktoren, die für Identifikation und Wir-Gefühl von Bedeutung sind, spielten eine erhebliche Rolle im folgenden Referat von Eyüp Odabaşı, Ratsmitglied für Bündnis 90/Die Grünen und Vorsitzender des Integrationsausschusses in Bünde, der die persönlichen Erfahrungen von Migrant/-innen in die Diskussion einbrachte. Verschärfte Kontrollen von Migrant/-innen am Flughafen, Ghettoisierung durch Diskriminierung bei Vermietungen, die Schwierigkeiten einen Friedhof für muslimische Bestattungen zu öffnen: Es zeigten sich nicht wenige Punkte, an denen das Zugehörigkeitsgefühl von Migrant/-innen in Deutschland strapaziert wird.
Unter dem Titel „Integrationsarena Betrieb" wurde in einer Talk-Runde das zweite Schwerpunktthema, die Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt behandelt. Moderiert von Jörg Hesse, Leiter Personal + Organisation bei der Gundlach Verpackung GmbH und Jürgen Schultze, Projektleiter der Initiative für Beschäftigung OWL e. V., tauschten sich Vertreter/-innen kleiner und mittelständischer Unternehmen und junge Arbeitnehmer/-innen mit Migrationshintergrund untereinander und mit dem Publikum aus.
Jürgen Schultze erläuterte, dass sich die IfB-OWL e. V. bereits seit mehreren Jahren in verschiedenen Projekten mit dem Thema Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt beschäftigt. Zurzeit erarbeitete der Verein gemeinsam mit Unternehmen und Migrantenselbstorganisationen im Rahmen des Initiativkreises Unternehmen VIELFALT OWL Ansätze und Lösungen für eine konkrete kultursensible Personalarbeit. Schwerpunkt ist dabei, vor allem kleinen und mittleren Unternehmen praktisch umsetzbare Handlungskonzepte und Instrumente für den Umgang mit Vielfalt und die Lösung kultureller Konflikte im Betrieb an die Hand zu geben.
Aus den Beiträgen von Seiten der Unternehmen wurde deutlich, dass Vielfalt bereits heute in den Betrieben eine Realität ist, mit deren Herausforderungen und Chancen sie konfrontiert sind. Manuela Tomaschko, Leiterin Personalmanagement bei der HORSTMANN GROUP forderte dazu auf, Vielfalt als positiven Faktor wahrzunehmen. Sie hob die Veränderungsbereitschaft von Migrant/-innen hervor und verwies darauf, dass die Anerkennung ausländischer Abschlüsse zwar häufig ein Problem darstellt, aber die zunehmende Interdisziplinarität der Arbeitswelt trotzdem einen qualifizierten Einsatz von Arbeitnehmer/-innen mit Migrationshintergrund erlaubt. Die HORSTMANN GROUP bemüht sich um die Integration benachteiligter Jugendlicher durch Praktika und Ausbildung, doch sieht Tomaschko hier schon Bedarf für Integrationsmaßnahmen im Kindesalter, wo Unternehmen nur begrenzt unterstützen können.
Georgios Spirou von der StellaPlast GmbH& Co.KG aus Bad Oeynhausen, Unternehmer mit Migrationshintergrund, schilderte die Flexibilität, die ein kleines Unternehmen von 20 Mitarbeiter/-innen aus einer Mitarbeiterschaft ziehen kann, die sich aus sieben verschiedenen Nationalitäten zusammensetzt. Er betonte aus eigener Erfahrung die Bedeutung der Sprachkompetenz als Schlüsselqualifikation, von der alle weiteren Möglichkeiten abhängen. Gleichzeitig sprach er sich dafür aus, in der Ausbildung den persönlichen Eigenschaften der Bewerber/-innen Vorrang vor ihren Schulnoten zu geben.
Kai Teckentrup, Geschäftsführer und Inhaber der Teckentrup GmbH& Co. KG aus Verl legte die Situation des Mittelstandes dar. Anders als bei Großunternehmen bestehen hier selten Strukturen des Umgangs mit Vielfalt. Deshalb seien die Vorbildfunktion des Unternehmers und die Sensibilisierung des Managements gefragt. Als Instrument, um Migrant/-innen im Betrieb zu erreichen, stellte er betriebliche Deutschkurse vor. Sie beinhalten in seinem Unternehmen eine Forderungskomponente, da Positionen im Betrieb mit Anforderungsprofilen versehen sind, die auch Sprachniveaus umfassen.
Zur Runde gehörten auch Margarita Götz und Dilek Demircan, die als junge gut ausgebildete Nachwuchskräfte mit Migrationshintergrund Auskunft über ihre Erfahrungen in Ausbildung und Berufseinstieg gaben. Götz nannte die Unterstützung der Eltern und anderer Förderer/-innen als einen zentralen Faktor, der geholfen habe, Schwierigkeiten zu überwinden. Demircan, die jetzt bei einem türkischen Unternehmen in Deutschland arbeitet, berichtete von erfolgloser Stellensuche in Deutschland, die mit dem Risiko einhergeht, in Deutschland ausgebildete Menschen mit Migrationshintergrund ins Ausland zu verlieren.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Unterzeichnungszeremonie der Charta der Vielfalt. Die Charta der Vielfalt ist eine Initiative der deutschen Wirtschaft und beinhaltet ein grundlegendes Bekenntnis zu Toleranz, Fairness und Wertschätzung in Unternehmen und Institutionen. Die Charta der Vielfalt wird unterstützt durch Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Schirmherrin ist die Bundeskanzlerin Angela Merkel [Weitere Information: www.vielfalt-als-chance.de ]. Mit 21 neuen Zeichnern haben sich mehr als 70 Unternehmen und Institutionen aus Ostwestfalen-Lippe der Charta angeschlossen. Die Region stellt damit die größte Gruppe der Unterzeichner/-innen der Charta der Vielfalt im gesamten Bundesgebiet.

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AQTIV für OWL
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