HOME

„Wenn man nichts tut, bleiben einem wichtige Türen verschlossen“

Vulnet Berisha nutzt WeGebAU zur Weiterqualifizierung

Energisch sticht Vulnet Berisha seine Forke in eine Fuhre frisches Häcksel, die sein Chef Markus Hirsch gerade auf den LKW-Hänger geladen hat. Die beiden sind ein eingespieltes Team. „Wir haben hier ein tolles Arbeitsklima“, so Berisha, der seit fünf Jahren im Garten- und Landschaftsbaubetrieb Hirsch in Bielefeld beschäftigt ist. Als Gartenhelfer erledigt er sämtliche anfallenden Arbeiten wie Pflastern, Beschnitt oder Vertikutieren im Bereich Pflege. Tätigkeiten, die dem 37-Jährigen sichtlich Spaß machen.

Vulnet Berisha kommt aus Prizren im Kosovo. Nach der mittleren Reife und einer kurzen theoretischen Ausbildung zum Maschinenbaukontrolleur folgte seine Einberufung in die Armee. Weil er während des Krieges desertierte, blieb ihm nur die Wahl ins Ausland zu gehen. Seit 17 Jahren lebt er nun hier, eine Entscheidung, die er und seine Familie nicht bereut haben. „Deutschland war immer mein erstes Ziel, auch wenn es am Anfang nicht leicht war. Als Asyl-bewerber durfte ich ja nicht arbeiten oder eine neue Ausbildung machen“, erzählt Berisha. Nach verschiedenen Aushilfstätigkeiten fand er schließlich seine erste Stelle als Helfer bei einem Garten- und Landschaftsbaubetrieb. Ein wichtiger Schritt, um beruflich endlich Fuß zu fassen.

Qualifizierung statt Neueinstellung

Seit 2004 arbeitet Vulnet Berisha im Team von Gärtnermeister Markus Hirsch, der insgesamt sechs Arbeitskräfte beschäftigt, davon ein bis drei ständige Auszubildende und Praktikanten. „Er war von Anfang an ein sehr engagierter Mitarbeiter“, so Markus Hirsch, der Vulnet Berisha als selbständig und zuverlässig beschreibt. Daher stand für ihn auch außer Frage, seinen Mitarbeiter weiterzuqualifizieren, statt jemand Neuen einzustellen. „Aufgrund einer Veränderung im Bereich Pflegemaßnahmen mussten wir einen weiteren Transporter anschaffen. Herr Berisha besaß aber nicht den dafür notwendigen LKW- und Anhängerführerschein Klasse CE.“ Ein Handicap, das seinen Einsatz eingeschränkt hätte.

„Im Gespräch mit unserer Arbeitsberaterin wurde ich auf das Programm WeGebAU und die darüber bestehenden Weiterbildungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht“, berichtet Markus Hirsch. „Mit ihrer Unterstützung konnte die entsprechende Förderung meines Mitarbeiters und der Kontakt zum passenden Maßnahmeträger sehr schnell vermittelt werden.“
Mit dem speziellen Angebot von WeGebAU ermöglicht die Agentur für Arbeit die unkomplizierte Fort- und Weiterbildung für ungelernte, gering qualifizierte oder ältere Arbeitnehmer. „Gerade im Hinblick auf demographischen Wandel und erhöhter Fachkräftenachfrage eröffnen sich kleinen- und mittelständischen Unternehmen mit WeGebAU bessere Möglichkeiten, erfahrene Mitarbeiter nach konkreten Bedarfen weiterzuqualifizieren“, erläutert Thomas Richter, Leiter der Agentur für Arbeit Bielefeld. „Dem entsprechend ist WeGebAU seit seiner Einführung quer durch alle Branchen stark nachgefragt worden –  über 650 Arbeitnehmer wurden bisher schon gefördert.“

Neue Perspektiven

Für Vulnet Berisha war der Erwerb des erweiterten Führerscheins selbstverständlich. „Jetzt kann ich mich noch besser im Job und für den Betrieb einsetzen. Aus- und Weiterbildung sind immer wichtig, damit sich nicht irgendwann wichtige Türen verschließen.“ Auch Markus Hirsch ist sehr zufrieden, denn durch die Weiterbildung kann Vulnet Berisha selbstverantwortlich und flexibel arbeiten. Auch weitere Qualifizierungsmaßnahmen schließt er nicht aus. „Eine Ausbildung an schweren Arbeitsgeräten wäre für Herrn Berisha langfristig gesehen ebenfalls sinnvoll. Ich hoffe daher, dass sich aufgrund der reibungslosen Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit  ggf. noch weitere Qualifizierungsmaßnahmen über WeGebAU zeitnah realisieren lassen.“

Infokasten WeGebAU

Die Abkürzung „WeGebAU“ steht für die Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen. Zielgruppe des Programms sind zum einen Arbeitnehmer, die über keinen Berufsabschluss verfügen oder mehr als vier Jahre in einer Anlern- oder Helfertätigkeit beschäftigt sind, zum anderen Arbeitnehmer über 45 Jahre. Die Agenturen für Arbeit übernehmen teilweise oder vollständig die Kosten für einen Berufsabschluss oder eine Qualifizierungsmaßnahme und erstatten dem Betrieb den Arbeitsausfall. Eine finanzielle Unterstützung ist auch bei Neueinstellungen möglich, sofern die neuen Mitarbeiter zum förderfähigen Personenkreis zählen.

Für die Qualifizierung ungelernter oder gering qualifizierter Arbeitnehmer erhalten die Unternehmen einen Arbeitsentgeldzuschuss sowie eine Pauschale zu den Sozialversicherungsbeiträgen. Voraussetzungen: Der Arbeitnehmer wird unter Fortzahlung des Arbeitsentgeltes während der Weiterbildung von allen Arbeitsleistungen freigestellt, das Arbeitsverhältnis besteht über die Weiterbildung hinaus und kein Familienmitglied erhält Leistungen nach dem SGB II. Die Qualifizierung ältere Arbeitnehmer über 45 Jahre wird gefördert, sofern die vermittelten Kenntnisse über arbeitsplatzbezogene, kurzfristige Fortbildungen hinausgehen. Dem Arbeitnehmer werden dazu alle Weiterbildungskosten erstattet. Voraussetzungen: Der Betrieb darf nicht mehr als 250 Beschäftigte haben, es muss eine externe, durch eine fachkundige Stelle geprüfte Schulung sein, der Arbeitnehmer wird während der Weiterbildung von allen Arbeitsleistungen freigestellt und hat während der Schulung Anspruch auf Arbeitsentgelt.

Die Förderung beantragt der Arbeitgeber. Der Arbeitnehmer muss Kontakt zur Agentur für Arbeit aufnehmen und benötigt einen Bildungsgutschein. Über die Datenbank KURSNET können die passenden Schulungen und Anbieter gefunden werden. Im Rahmen des Konjunkturpakets II hat der Gesetzgeber nun auch die Möglichkeit geschaffen, qualifizierte Mitarbeiter in die Weiterbildungsförderung mit einzubeziehen, wenn der letzte Berufsabschlusses und die letzte öffentlich geförderte Weiterbildung mindestens 4 Jahre zurückliegen.

Sie sind an einer Förderung durch „WeGebAU“ interessiert? Dann sprechen Sie mit dem Arbeitgeber-Service ihrer Agentur für Arbeit. Telefon: 0180 – 66 44 66. Weitere Informationen unter: http://www.arbeitsagentur.de/nn_27794/zentraler -Content/A05-Berufl-Qualifizierung/A053-Rehabilitanden/Allgemein/Arbeitgeberinformationen-Foerderung-der-.html

Informationen zur Finanzierung von Förderung

Kompetenzwerkstatt MINT-Frauen in OWL

AQTIV für OWL

Kompetenzwerkstatt Vielfalt und Ausbildung

Die Projektpartner in der Kompetenzwerkstatt Vielfalt in OWL

Förderhinweis

Mit finanzieller Unterstützung durch den Europäischen Sozialfonds und das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen