„Nicht stehen bleiben, sondern weitermachen“
Malalai Gul realisierte ihre beruflichen Vorstellungen mit dem Meister-BaföG
„Da musst du noch mal nacharbeiten.“ Malalai Gul gibt ihrem Schützling letzte Anweisungen, bevor sie sich dem nächsten Auszubildenden zuwendet. Mit ihren 26 Jahren ist die Friseurmeisterin kaum älter als die meisten ihrer Schülerinnen und Schüler. Für die selbstbewusste junge Frau kein Problem. „Mir macht das Unterrichten Spaß und ich kann mich gut durchsetzen.“ Seit Mitte 2008 arbeitet die gebürtige Afghanin als Honorardozentin am Handwerksbildungszentrum Bielefeld.
Gerade einmal drei Jahre war sie alt, als Malalai Gul zusammen mit ihrer Schwester und den Eltern ihren Geburtsort Kandahar verlassen musste. „Wir sind vor dem Krieg in Afghanistan geflüchtet“, erzählt sie. In Deutschland angekommen, wurde die Familie zuerst in ein Auffanglager nach Frankfurt geschickt. „Ich habe kaum Erinnerungen an diese Zeit. Aber meine Eltern erzählen noch heute, wie freundlich sie aufgenommen wurden.“ Von Frankfurt aus ging es nach Schieder-Schwalenberg im Kreis Lippe. „Mein Vater hatte großes Glück. Er konnte eine Umschulung zum Technischen Konstrukteur machen und bekam eine Stelle in Blomberg bei dem Unternehmen Phoenix Contact.“
Nicht im eigenen Kulturkreis verschanzen
Über ihren Vater und ihre Mutter spricht die sympathische dunkelhaarige Frau voller Stolz. „Meine Eltern haben beide in Afghanistan studiert und hatten angesehene Positionen. In Deutschland mussten sie wieder ganz von vorn anfangen.“ Den Hauptgrund dafür, das der Familie Integrationsprobleme fremd sind, sieht Malalai Gul darin, dass sich ihre Eltern nie der deutschen Kultur verschlossen haben. „Wenn man in Deutschland heimisch werden möchte, darf man sich nicht in seinem eigenen Kulturkreis verschanzen.“
Berufswahl
Für sie selbst stand das Thema Studium nie zur Diskussion. „Meine Eltern hätten es zwar gern gesehen, wenn ich studiert hätte, aber ich hatte dazu keine Lust.“ Um sich über ihre Berufswünsche klar zu werden, nahm sich Malalai Gul nach ihrem Realschulabschluss ein Jahr Auszeit. „Im Rahmen eines Orientierungsjahrs beim ESTA-Bildungswerk in Detmold durfte ich in verschiedene Berufe reinschnuppern“, so die 26-Jährige. „Leider brachte mir das keine Klarheit. Deshalb habe ich erst einmal als Statistin am Landestheater in Detmold gejobbt.“ Dort kam sie mit dem Beruf der Maskenbildnerin in Berührung. „Um in diesem Bereich arbeiten zu dürfen, war es damals noch Pflicht, eine Friseurausbildung zu haben. Also habe ich ein Praktikum in einem Friseursalon gemacht.“ Schnell war ihr klar: Das ist der richtige Beruf für mich. Nach einem halben Jahr Praktikum unterschrieb sie den Lehrvertrag. „Als Friseurin muss man kreativ sein, Fingerfertigkeit besitzen und Spaß an Mode haben“, schwärmt Malalai Gul.
Beratung bei der Handwerkskammer
Stillstand ist etwas, was der gebürtigen Afghanin nicht liegt. Deshalb nahm sie nach ihrer Gesellenprüfung das Angebot an, vier Wochen in der Dépendance des Starfriseurs Udo Walz auf Mallorca zu arbeiten. „Ich musste dort viel mehr arbeiten, als ich es gewöhnt war“, erinnert sich Malalai Gul. „Aber die traumhafte Umgebung hat alles wieder wettgemacht.“ Wieder in Deutschland angekommen, arbeitete sie unter anderem in Blomberg und Detmold. Nachdem sie drei Jahre Berufserfahrung gesammelt hatte, leitete sie 2006 alles in die Wege, um sich beruflich weiterzubilden. „Mir war bereits während meiner Ausbildung klar, dass ich meinen Meister machen will. Also habe ich bei der Handwerkskammer in Bielefeld angerufen und mich beraten lassen.“ Wenig später schrieb sie sich zur Meisterausbildung ein und beantragte das sogenannte Meister-BaföG. „Da ich im Vorfeld gut beraten worden war, verlief die Antragstellung völlig reibungslos.“ Der monatliche Finanzzuschuss half ihr unter anderem dabei, teure Arbeitsmaterialien zu bezahlen.
Vom Azubi zur Ausbilderin
Ihren Meisterbrief hat die Malalai Gul seit 2007 in der Tasche. Mittlerweile arbeitet sie in einem Friseursalon in Bielefeld und geht zweimal in der Woche ihrer Dozententätigkeit am Handwerksbildungszentrum nach. Zu der Nebentätigkeit kam sie durch Eigeninitiative. „Ich habe einfach angerufen und gefragt, ob sie jemanden bräuchten.“ Obwohl ihre Woche mehr als ausgefüllt ist, ist die Friseurmeisterin unermüdlich auf der Suche nach neuen beruflichen Herausforderungen. „Momentan belege ich ein neunmonatiges Fernstudium für Typ- und Stilberatung“, erklärt die ehrgeizige junge Frau. „Für mich ist es wichtig, dass ich mich permanent weiterentwickle.“ Zwar habe auch sie ab und an einen Durchhänger, „aber dann heißt es: Nicht stehen bleiben, sondern weitermachen.“
Info-Kasten Meister-BaföG
Das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) – das sogenannte Meister-BaföG – verfolgt die Ziele, die berufliche Qualifizierung von Handwerkern und anderen Fachkräften finanziell zu unterstützen und Existenzgründungen zu erleichtern. Das Gesetz ist ein umfassendes Förderinstrument für die berufliche Fortbildung in allen Berufsbereichen, unabhängig davon, in welcher Form - Vollzeit, Teilzeit, schulisch, außerschulisch, mediengestützt oder als Fernunterricht - sie durchgeführt wird. Vorausgesetzt wird der Abschluss einer Erstausbildung oder ein vergleichbarer Berufsabschluss nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung.
Erhebliche Leistungsverbesserungen hat die Änderung des Gesetzes im September 2008 mit sich gebracht. Unter anderem profitieren ausländische Fachkräfte davon, dass künftig die dauerhafte Bleibeperspektive und nicht mehr die Mindesterwerbsdauer für eine Förderung zugrunde gelegt wird. Neben der stärkeren finanziellen Unterstützung von Fortbildungswilligen mit Kindern, trägt die deutliche Verbesserung der Förderkonditionen, die Ausweitung des Kreises der Geförderten und des Anwendungsbereichs der Förderung ebenso dazu bei, dass das Meister-BaföG ein attraktives und flexibles Förderinstrument ist, wie eine Vereinfachung der Beantragung und Bewilligung der Förderung.
Sie sind am Meister-BaföG interessiert? Weitere Informationen und Antragsformulare erhalten Sie unter www.meister-bafoeg.info. Wenn Sie persönliche Beratung wünschen, wenden Sie sich bitte an die für Ihren

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